Die Peak Pose dieser Stunde ist das L an der Wand, eine kraftvolle Vorbereitung auf den Handstand. Nachdem wir bereits Ahimsa, Abhyasa & Vairagya, Santosha, Tapas und Ishvara Pranidhana erkundet haben, widmen wir uns heute einem weiteren Yama: Satya, der Wahrhaftigkeit.
Satya: Wahrhaftigkeit
Satya bedeutet nicht nur Ehrlichkeit gegenüber anderen. Es bedeutet vor allem Ehrlichkeit gegenüber uns selbst, ein Leben in Übereinstimmung mit dem, was wahr ist. Dabei richtet sich die Praxis zuerst nach innen und erst dann nach außen.
Auf der oberflächlichen Ebene fragt Satya: Sage ich die Wahrheit? Bin ich ehrlich zu anderen? Auf einer tieferen Ebene fragt Satya: Bin ich ehrlich zu mir selbst? Erkenne ich meine tatsächlichen Bedürfnisse, Ängste und Motive? Wo erzähle ich mir Geschichten, die mich klein halten oder schützen? Wo handle ich entgegen meiner inneren Wahrheit, nur um Erwartungen zu erfüllen?
Im Yoga bedeutet Satya auch, die Realität anzunehmen, wie sie gerade ist, ohne Verdrängung, Beschönigung oder Selbsttäuschung. Das kann herausfordernd sein, denn manchmal ist die Wahrheit unbequem: Vielleicht bin ich erschöpft, obwohl ich stark wirken möchte. Vielleicht brauche ich Unterstützung, obwohl ich unabhängig sein will. Vielleicht bin ich noch nicht dort, wo ich gerne wäre.
Satya auf der Matte
Gerade in einer fordernden Haltung zeigt sich Satya ganz konkret. Im Handstand, und in seiner Vorbereitung, dem L an der Wand, könnte Satya bedeuten:
- anzuerkennen, wo ich heute tatsächlich stehe
- meine Grenzen wahrzunehmen, ohne mich dafür zu verurteilen
- weder zu übertreiben noch mich kleiner zu machen
- den Prozess wertzuschätzen, statt einer Vorstellung von Perfektion nachzujagen
Satya und Ahimsa: Wahrheit mit Mitgefühl
Satya steht immer in Beziehung zu Ahimsa, der Gewaltlosigkeit. Die yogische Tradition lehrt, dass Wahrheit liebevoll sein sollte. Nicht jede Wahrheit muss ungefiltert ausgesprochen werden, sie darf hilfreich, mitfühlend und zum richtigen Zeitpunkt geteilt werden. Man könnte sagen: Satya ist der Mut, die Wahrheit zu sehen, und die Weisheit, ihr mit Offenheit und Mitgefühl zu begegnen.
Das L an der Wand
Im L an der Wand wandern die Füße die Wand hinauf, bis Rumpf und Beine einen rechten Winkel bilden, ein L. Die Hände tragen, die Schultern stapeln sich über den Handgelenken, der Rumpf bleibt aktiv. Es ist eine ehrliche Haltung: Sie zeigt dir genau, wo deine Kraft und deine Ausrichtung heute stehen. Wir bauen sie behutsam auf, damit du sicher und mit gutem Gefühl üben kannst.
Dein Sankalpa für diese Stunde
Lass dich von einem dieser Sätze begleiten:
- „In Wahrhaftigkeit finde ich Stabilität.“
- „Ich übe nicht für Perfektion, sondern für Präsenz.“
- „Meine Wahrheit darf weich und klar zugleich sein.“
Diese Stunde erleben
Wenn du dich an Umkehrhaltungen herantasten und dabei ehrlich und achtsam mit dir bleiben möchtest, übe mit mir in Regensburg. Meine Anusara-Yoga-Stunden sind für alle Levels offen und Schritt für Schritt aufgebaut.
