Die Peak Pose dieser Stunde ist Astavakrasana, die Acht-Winkel-Haltung: ein Armbalance, in der der Oberkörper von den Händen getragen wird, während die Beine seitlich um einen Arm herum verschränkt sind. Das Herzensthema dazu heißt: zwischen Kraft und Leichtigkeit.

Sthira Sukham Asanam

Patanjali beschreibt eine Asana mit drei Worten: Sthira Sukham Asanam. Eine Haltung soll stabil und zugleich angenehm sein. Das klingt zunächst wie ein Widerspruch, und gerade in herausfordernden Haltungen denken wir meistens nur in eine Richtung: Ich muss mich noch mehr anstrengen. Mehr Kraft. Mehr Spannung. Mehr Kontrolle.

Yoga lädt uns zu etwas anderem ein. Kraft ohne Härte. Fokus ohne Verkrampfung. Stabilität ohne Starrheit. Und genau das lässt sich in Astavakrasana erleben: Die Arme müssen unglaublich klar und kraftvoll arbeiten, die Körpermitte ist aktiv, die Beine sind miteinander verbunden. Und gleichzeitig braucht die Haltung einen Moment von Leichtigkeit und Vertrauen. Denn irgendwann können wir nicht mehr mehr machen. Irgendwann müssen wir anfangen, weniger zu kämpfen.

Der Vogel und der Wind

Stell dir einen Vogel vor, der zum ersten Mal fliegen lernt. Er könnte versuchen, mit aller Kraft gegen die Luft anzukämpfen: die Flügel immer schneller schlagen, alles kontrollieren. Doch irgendwann merkt er, dass Fliegen nicht bedeutet, gegen die Luft zu kämpfen. Es bedeutet, mit ihr zu arbeiten.

Der Vogel braucht Kraft, aber er braucht auch Vertrauen. Er braucht Bewegung, aber auch Momente des Loslassens. Er braucht seine Flügel, aber er muss nicht jede Böe kontrollieren.

Vielleicht ist es mit unserem Leben genauso. Wir glauben oft, Stabilität bedeutet, alles fest im Griff zu haben. Doch manchmal entsteht echte Stabilität erst dann, wenn wir aufhören, alles kontrollieren zu wollen.

Zwei Qualitäten, die sich nicht ausschließen

Sthira ist die Kraft, die uns trägt. Sukha ist die Leichtigkeit, die uns fliegen lässt. Beides gehört zusammen, und keines der beiden ist die bessere Hälfte. Eine Haltung, die nur aus Sthira besteht, wird hart und irgendwann unhaltbar. Eine Haltung, die nur aus Sukha besteht, hat keinen Boden.

Im Anusara Yoga begleitet uns dieser Gedanke durch die ganze Stunde: Wir sammeln uns zur Mitte, wir erden die Hände, wir aktivieren die Beine, und erst daraus entsteht die Ausdehnung. Erst die Kraft, dann der Raum. Und die eigentliche Kunst ist nicht, weniger stark zu werden. Sie besteht darin, stark zu sein, ohne hart zu werden.

Was Astavakrasana uns zeigt

Armbalancen sind gute Lehrerinnen, weil sie sofort zurückmelden, wo wir zu viel wollen. Wenn der Kiefer fest wird, der Atem stockt und die Schultern zu den Ohren wandern, wird die Haltung nicht leichter, sondern schwerer. Wenn sich stattdessen die Handflächen wirklich in den Boden legen, die Schulterblätter Halt finden und der Atem weiterläuft, hebt sich der Körper fast von selbst ein Stück.

Und wenn Astavakrasana heute nicht abhebt, ist das kein Scheitern. Die Vorbereitung ist die Praxis: die Drehung, die Hüftöffnung, die Kraft in den Armen, der Mut, das Gewicht nach vorn zu verlagern. Wir üben mit Bausteinen und Varianten, sodass jede und jeder auf dem eigenen Level dieselbe Erfahrung machen kann.

Dein Sankalpa für diese Stunde

Wähle einen Satz, der dich durch die Praxis trägt:

  • „Ich finde Kraft in meiner Mitte und Leichtigkeit in meinem Vertrauen.“
  • „Ich bin stabil und darf gleichzeitig leicht sein.“
  • „Kraftvoll. Klar. Leicht.“

Und als wiederkehrende Frage während der ganzen Stunde: Welche Spannung brauche ich hier wirklich, und welche darf ich loslassen?

Diese Stunde erleben

Wenn du Kraft üben möchtest, die nicht hart wird, komm in eine meiner Anusara-Yoga-Stunden in Regensburg. Sie sind für alle Levels geeignet und Schritt für Schritt aufgebaut, auch die Armbalancen.

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