Die Peak Pose dieser Stunde ist Gomukhasana, das Kuhgesicht. Eine Haltung, in der sich die Hände hinter dem Rücken suchen: eine reicht von oben nach unten, die andere greift von unten nach oben. Das Herzensthema dazu heißt: Du musst nicht alles alleine tragen.
Die Yogaphilosophie dahinter ist Sangha, die Kraft der Verbindung. Sangha stammt nicht direkt aus Patanjalis acht Gliedern, ist aber ein wichtiger Begriff der indischen spirituellen Traditionen: Gemeinschaft, Verbindung und ein Weg, den wir miteinander gehen. Stärke bedeutet nicht immer, alles alleine schaffen zu müssen. Manchmal zeigt sich Stärke gerade darin, Verbindung zuzulassen.
Die beiden Hände
Schließe für einen Moment die Augen und denke an deine beiden Hände. Jede Hand kann für sich unglaublich viel. Sie kann greifen, tragen, halten, berühren. Aber es gibt Dinge, die werden leichter, wenn beide Hände zusammenarbeiten. Etwas Schweres tragen. Jemanden auffangen. Eine Umarmung schenken.
Und trotzdem erwarten wir von uns selbst im Leben erstaunlich oft das Gegenteil. Wir möchten Dinge alleine schaffen. Wir möchten niemandem zur Last fallen. Wir möchten zeigen, dass wir stark sind. Und manchmal sagen wir: „Ich schaffe das schon.“ Obwohl ein Teil von uns eigentlich denkt: „Es wäre schön, wenn ich das gerade nicht alleine tragen müsste.“
Vielleicht haben wir irgendwann gelernt, Stärke mit Unabhängigkeit zu verwechseln. Doch vielleicht bedeutet Stärke nicht: Ich brauche niemanden. Vielleicht kann Stärke auch bedeuten: Ich weiß, wann ich eine Hand ausstrecken darf.
Verbindung muss nicht perfekt aussehen
Im Kuhgesicht erleben wir das ganz direkt. Bei manchen berühren sich die Finger hinter dem Rücken mühelos, bei anderen bleibt eine Lücke, und ein Gurt hilft, sie zu überbrücken. Beides ist Verbindung. Sie muss nicht perfekt aussehen, um Verbindung zu sein.
Spüre deine beiden Hände. Eine reicht, eine empfängt. Vielleicht müssen wir gar nicht immer entscheiden, welche Rolle die stärkere ist.
Wo darfst du Unterstützung annehmen?
Vielleicht gibt es gerade einen Bereich in deinem Leben, in dem du versuchst, sehr viel alleine zu tragen. Arbeit. Familie. Verantwortung. Eine Entscheidung. Vielleicht sogar einfach einen Gedanken, über den du mit niemandem sprichst.
Du musst ihn heute nicht lösen. Aber vielleicht kannst du dir eine Frage stellen: Wo dürfte ich mir erlauben, ein bisschen mehr Unterstützung anzunehmen?
Denn wir Menschen sind nicht dafür gemacht, vollkommen unabhängig voneinander durchs Leben zu gehen. Wir tragen, und wir werden getragen. Wir geben, und wir dürfen empfangen. Manchmal sind wir die Hand, die nach unten reicht. Und manchmal sind wir die Hand, die nach oben greift. Beides gehört dazu.
Dein Sankalpa für diese Stunde
Wähle einen Satz, der dich durch die Praxis trägt:
- „Ich darf tragen und mich tragen lassen.“
- „Ich finde Stabilität in mir und erlaube mir gleichzeitig Verbindung.“
- „Ich öffne mich für Verbindung und Unterstützung.“
- „Gemeinsam darf es leichter sein.“
Diese Stunde erleben
Eine Yogastunde in der Gruppe ist selbst ein kleines Stück Sangha: Wir üben jede für sich und doch miteinander. Komm gerne in eine meiner Anusara-Yoga-Stunden in Regensburg. Sie sind für alle Levels geeignet, mit Varianten und Hilfsmitteln für jeden Körper.
