Die Peak Pose dieser Stunde ist der gedrehte Halbmond, Parivrtta Ardha Chandrasana. Eine Haltung, die Balance und Drehung verbindet und dich damit ziemlich unmittelbar zu unserem Thema führt: Svadhyaya, dem Selbststudium.

Svadhyaya: sich selbst erforschen

Svadhyaya ist eines der Niyamas, der inneren Haltungen im Yoga, und findet sich in den Yoga Sutras des Patanjali (II.44). Wörtlich bedeutet es: „Sich selbst erforschen.“

Dabei geht es nicht darum, ständig an sich zu arbeiten oder sich zu analysieren. Es bedeutet vielmehr, neugierig zu beobachten. Nicht mit einem prüfenden Blick, sondern mit echtem Interesse an dem, was da gerade ist.

Die Yogamatte als Spiegel

Vier Fragen, die dich durch diese Stunde begleiten dürfen:

  • Wie reagiere ich?
  • Wo halte ich fest?
  • Wo verliere ich meine Balance?
  • Wo entsteht Leichtigkeit?

Die Yogamatte wird so zu einem Spiegel. Nicht, um uns zu bewerten. Sondern um uns kennenzulernen. Was du hier über dich erfährst, hört an der Kante der Matte nicht auf: Wie du im Wackeln reagierst, wie du mit Anstrengung umgehst, wo du dich festhältst, das kennst du auch aus deinem Alltag.

Warum Balancehaltungen so viel zeigen

Gerade Balancehaltungen zeigen uns das sehr deutlich. An manchen Tagen finden wir sofort unsere Mitte. An anderen Tagen geraten wir ins Wanken. Beides gehört zum Yoga.

Das ist der eigentliche Kern von Svadhyaya: Die wackelige Praxis ist nicht die schlechtere. Sie hat dir nur etwas anderes zu erzählen. Svadhyaya lädt uns ein, jede Erfahrung als Lehrer zu betrachten, auch und besonders die, die wir uns nicht ausgesucht hätten.

Gedrehter Halbmond: Parivrtta Ardha Chandrasana

Im gedrehten Halbmond stehst du auf einem Bein. Das Standbein ist kraftvoll und aktiv, das andere Bein streckt sich nach hinten, etwa auf Hüfthöhe, die Fußsohle zeigt zur Wand hinter dir. Die Hand der Gegenseite kommt zum Boden oder auf einen Block unter der Schulter. Von einer langen Wirbelsäule aus dreht sich der Brustraum nach oben, der obere Arm reicht weit zur Decke. Der Blick darf nach unten, nach vorne oder nach oben wandern, je nachdem, was deine Balance heute trägt.

Balance auf einem Bein, eine Drehung um die eigene Achse, und das alles fast waagerecht im Raum: Diese Haltung lässt sich nicht erzwingen. Sie fordert dich auf, ständig nachzuspüren und feiner zu justieren. Genau deshalb ist sie eine so gute Lehrerin für Svadhyaya. Der Block ist dabei kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Werkzeug, das dir erlaubt, überhaupt genau hinzuschauen.

Dein Sankalpa für diese Stunde

Wähle einen Satz, der dich durch die Praxis trägt:

  • „Ich begegne mir mit Offenheit und Neugier.“
  • „Mit Klarheit finde ich meine innere Balance.“
  • „Ich vertraue dem, was ich in mir entdecke.“

In der abschließenden Savasana darfst du das Beobachten ganz sein lassen. Nichts mehr erforschen, nichts mehr justieren. Nur noch da sein mit dem, was du heute über dich erfahren hast.

Diese Stunde erleben

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