Die Peak Pose dieser Stunde ist Utthita Hasta Padangusthasana, die Hand-zum-großen-Zeh-Haltung im Stand. Das Herzensthema dazu ist Brahmacharya, die Kunst, mit der eigenen Energie bewusst umzugehen.
Energie verschwindet selten auf einmal
Vielleicht kennst du Tage, an denen du abends vollkommen erschöpft bist. Und wenn du dich fragst, was eigentlich so anstrengend war, findest du gar nicht diesen einen großen Moment. Es waren hundert kleine Dinge: eine Nachricht hier, ein Gedanke dort, eine Aufgabe, die noch erledigt werden müsste, ein Gespräch, das im Kopf weiterläuft, ein Blick aufs Handy, ein Vergleich, eine Sorge um etwas, das vielleicht noch gar nicht passiert ist.
Unsere Energie verschwindet selten auf einmal. Sie verteilt sich.
Brahmacharya: bewusster Umgang mit der Lebensenergie
Brahmacharya ist eines der fünf Yamas in Patanjalis achtgliedrigem Yogaweg. Traditionell hat der Begriff auch mit Enthaltsamkeit zu tun. Für unsere Praxis heute lässt er sich als etwas anderes verstehen: als Einladung, bewusst mit der eigenen Lebensenergie umzugehen.
Nicht überall gleichzeitig sein. Nicht in jede Richtung ziehen. Nicht jede Möglichkeit verfolgen. Sondern erkennen: Was verdient heute wirklich meine Energie? Denn unsere Energie ist nicht unendlich. Und vielleicht besteht Weisheit nicht darin, immer mehr Energie zu erzeugen, sondern darin, bewusster zu entscheiden, wofür wir sie einsetzen.
Nicht alles verdient deine Energie
Wir behandeln unsere Zeit häufig als wertvoll, unsere Energie aber viel weniger. Dabei können zwei Stunden mit einem Menschen uns vollkommen erfüllen und zehn Minuten in einer bestimmten Situation unglaublich erschöpfen. Vielleicht ist deshalb die wichtigere Frage nicht: Habe ich genug Zeit dafür? Sondern: Möchte ich meine Energie dafür geben?
Und oft entsteht Energieverlust gar nicht durch die Situation selbst, sondern durch unseren inneren Widerstand: „Das sollte anders sein.“ „Warum passiert das jetzt?“ „Ich will das nicht.“ Wir verwenden viel Kraft darauf, gegen etwas anzukämpfen, das in diesem Moment bereits Realität ist. Das heißt nicht, alles gutzuheißen. Aber wir dürfen unterscheiden: Was kann ich verändern, und wo verbrauche ich gerade Kraft im Kampf gegen etwas, das ich momentan nicht ändern kann?
Auf der Matte: weniger zerstreuen, mehr ausrichten
In den Haltungen können wir das direkt beobachten. Müssen die Schultern wirklich so viel arbeiten? Müssen die Zehen den Boden festhalten? Muss der Kiefer angespannt sein, damit sich das Bein hebt?
Utthita Hasta Padangusthasana zeigt das besonders deutlich. Ein Bein trägt, ein Bein streckt sich, und der Kopf will am liebsten alles gleichzeitig kontrollieren. Genau hier können wir üben, die Energie dorthin zu lenken, wo wir sie tatsächlich brauchen, und alles andere weicher werden zu lassen. Weniger zerstreuen, mehr ausrichten. Nicht mehr Energie, sondern klarere Energie.
Dein Sankalpa für diese Stunde
- „Ich richte meine Energie auf das aus, was mir wirklich wichtig ist.“
- „Meine Energie folgt meiner Aufmerksamkeit.“
- „Ich sammle mich, richte mich aus und wachse.“
Und nach Savasana
Vielleicht musst du nicht mehr schaffen. Vielleicht musst du nicht mehr leisten. Vielleicht brauchst du auch nicht mehr Energie. Vielleicht darfst du nur bewusster entscheiden, wohin deine Energie fließen soll: zu welchen Menschen, zu welchen Gedanken, zu welchen Dingen, die dir wirklich wichtig sind. Und vielleicht darf manches, das ständig deine Aufmerksamkeit fordert, ein wenig leiser werden.
Deine Energie ist kostbar. Du musst sie nicht überall verteilen.
Diese Stunde erleben
Wenn du üben möchtest, deine Energie bewusster zu lenken, komm in eine meiner Yoga-Stunden in Regensburg. Sie sind für alle Levels geeignet und Schritt für Schritt aufgebaut.
