Die Peak Pose dieser Stunde ist Paripurna Navasana, das Boot. Auf den ersten Blick sieht die Haltung gar nicht so spektakulär aus. Aber wenn wir sie genauer unter die Lupe nehmen, steckt unglaublich viel darin: tiefe Core-Aktivität, die Hüftbeuger, die Aufrichtung der Wirbelsäule, aktive Beine, Balance und Atem. Das Herzensthema dazu heißt: Du bist nicht jeder Gedanke, der auftaucht.

Die Wellen und das Meer

Stell dir das Meer vor. An manchen Tagen ist seine Oberfläche vollkommen ruhig. An anderen Tagen gibt es Wind. Wellen entstehen. Manche sind klein, andere groß. Und manchmal kommt eine Welle nach der anderen. Aber egal, wie unruhig die Oberfläche gerade ist: Das Meer ist mehr als seine Wellen.

Vielleicht können wir unseren Geist ähnlich betrachten. Den ganzen Tag entstehen Gedanken: Das muss ich noch erledigen. War das richtig? Was denkt der andere über mich? Das kann ich nicht. Ich müsste eigentlich weiter sein. Warum ist das heute so anstrengend?

Ein Gedanke entsteht, und manchmal springen wir sofort auf ihn auf. Aus dem Gedanken wird eine Geschichte. Aus der Geschichte entsteht ein Gefühl. Und plötzlich bestimmt eine einzige kleine Welle unser ganzes inneres Meer.

Yoga Sutra I.2: citta vrtti nirodha

Ganz am Anfang der Yoga Sutras beschreibt Patanjali Yoga mit den Worten yogaś citta-vṛtti-nirodhaḥ. Vereinfacht gesagt: Yoga hilft uns, die Bewegungen und Schwankungen des Geistes zur Ruhe kommen zu lassen. Die Vrittis sind diese Bewegungen, die ständigen Veränderungen in unserem Geist.

Das Ziel ist nicht, gewaltsam überhaupt nichts mehr zu denken. Gedanken dürfen auftauchen. Aber durch Yoga können wir lernen, nicht von jeder Bewegung unseres Geistes mitgerissen zu werden. Vielleicht entsteht ein kleiner Raum zwischen „Da ist ein Gedanke.“ und „Dieser Gedanke ist die Wahrheit.“ Ein ähnliches Thema hatten wir schon in der Stunde zu Skandasana und Pratipaksha Bhavana.

Im Boot ruhig bleiben

Im Boot erleben wir das ziemlich unmittelbar. Die Bauchmuskeln arbeiten, die Beine zittern vielleicht, und sofort tauchen die Gedanken auf: Wie lange noch? Das schaffe ich nicht. Die anderen halten das bestimmt länger.

Genau hier liegt die Einladung. Die Haltung bleibt anstrengend, aber du musst nicht auf jede Welle aufspringen. Lenke die Aufmerksamkeit zurück zu dem, was gerade wirklich da ist: die Länge in der Wirbelsäule, die Weite im Brustkorb, der Atem, der weiterfließt. Lass die Welle kommen. Lass die Welle gehen.

Dein Sankalpa für diese Stunde

Wähle einen Satz, der dich durch die Praxis trägt:

  • „Ich finde Ruhe inmitten der Bewegung.“
  • „Ich bin mehr als die Wellen meines Geistes.“
  • „Lass die Welle kommen. Lass die Welle gehen.“

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